Desinformation und gezielte Manipulation werden eingesetzt, um Hass und Spaltung in der Gesellschaft zu schüren. Die Schuldigen sind schnell gefunden: feindliche Staaten, organisierte Gruppen oder soziale Plattformen.
Doch wie einflussreich sind Desinformationskampagnen tatsächlich?
Der Kommunikationswissenschaftler Christian Hoffmann hat sich in seiner Forschung mit russischen Desinformationskampagnen beschäftigt und konnte aufzeigen, dass diese nur begrenzten Einfluss haben.
In einem Interview im Echo der Zeit legt er dar, dass das Aufkommen erheblich sei, allerdings erreichten solche Kampagnen nur wenige Menschen. Denn diejenigen, die sich diesen Inhalten zuwenden, tun dies bewusst - ein Phänomen, das Hoffmann als „motivierten Konsum" bezeichnet. Für diese Gruppe können Desinformationsinhalte mobilisierend wirken: Sie regen auf, verstärken Empörung und mobilisieren zum Beispiel bei Wahlen. Der Grossteil der Gesellschaft komme mit solchen Inhalten jedoch kaum in Kontakt.
Auch wenn die direkte Einflussnahme auf Wahlergebnisse schwer nachweisbar sei, dürfe die indirekte Wirkung nicht unterschätzt werden. Die Angst vor gezielter Manipulation führe nachweislich zu Verunsicherung und schüre Misstrauen gegenüber demokratischen Prozessen, Institutionen und Medien. Langfristig könne dies verheerende Folgen haben.
Hass und Desinformation verbreiten sich nicht nur durch organisierte Kampagnen, sondern auch durch Einzelpersonen, die Desinformation ungeprüft weitergeben oder selbst produzieren. Es liegt auch in der Verantwortung der Nutzer:innen, Faken zu prüfen, bevor sie (weiter)-verbreitet werden.